Die "Werkstatt der Grenzfragen" der Adam-Mickiewicz- Universität Posen wurde vom Senat der Universität errichtet, um in dem "freien Raum"
zwischen den Fakultäten, sowie an den Grenzen einzelner Wissenschaften, zwischen den besonders gewagten Fragen, Anschauungen und Weltbildern nach Möglichkeiten neuer Forschungsentwürfe und zugleich nach Beginn der (verschiedene Personen und Weltbilder verbindenden) Dialoge Ausschau zu halten.
Die "Werkstatt" ist eine verhältnismassig kleine Forschungsgruppe, die sich für eine mögliche Zusammenarbeit von allen Seiten offen halten will.
Ist es möglich, eine Plattform für gemeinsame Fragen, Gespräche, Vorträge, Seminare und Diskussionen zu Grundfragen unseres Weltbildes und unseres Platzes in der Welt zu erschaffen – für diejenigen, die ihre Weltanschauungen nicht teilen und nicht teilen sollen?
Der Ausgangspunkt des Projekts der Werkstatt der Grenzfragen ist das Bewusstsein der zunehmenden Schwierigkeit, die Welt, wie wir sie erkennen, als ein Ganzes zu denken. Wir sind an einem Punkt, wo gleichzeitig:
– sich fast alle Möglichkeiten der modernen Wissenschaftsausübung zeigen, insbesondere die technologischen, und zugleich deutlich wird, dass ihre Konsequenzen für den Menschen kaum vorherzusehen sind;
– die Möglichkeit einer anderen Weltsicht durchschimmert, einer anderen Auffassung dessen, wie uns die Welt und unser Leben gegeben sind, und damit auch die Chance erscheint, dass wir mit dem Gefährlichen oder dem bloß Misslungenen besser umgehen lernen;
– bei dem für jede Wissenschaft grundlegenden Versuch, die Welt als ein Ganzes zu denken, die bereits angesprochene Schwierigkeit entsteht.
Das Bedürfnis danach ist jedoch mitnichten verschwunden. Es ist auch dort vorhanden, wo sich die Skepsis seiner Verwirklichungsmöglichkeit gegenüber meldet. Wir sollen uns der Antwort auf die Frage, warum es so ist, nicht entheben. Wir sollen auch die Versuche nicht aufgeben, diesem Bedürfnis wirksam Ausdruck zu geben.
Obwohl die gängige Reaktion angesichts des Unbehagens ein Versuch ist, es wegzuschaffen – und so das beeinträchtigte Bild des Sachverhalts möglichst schnell wieder ins Lot zu bringen –, lohnt es sich zu bedenken, dass es nicht die einzige mögliche Lösung ist. Sie ist vielmehr vorläufig, und für die wesentlichen Prozesse, die sich vor uns stellenden Probleme – Forschungs- wie Lebensprobleme – zu lösen, ist sie manchmal hemmend. Hemmend ist besonders das Sichverschließen dem „Unerwarteten“, das als solche ein Potenzial an Möglichkeiten in sich trägt. Deshalb lohnt es sich vielleicht, die unbehaglichen Situationen bewusst zu „verdichten“, statt sie möglichst schnell zu verringern und zu beseitigen.